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| Ich bin noch da |
| Aktuelles - Presseschau |
Halina Birenbaum (79) besuchte das Leibniz-Gymnasium : Ich bin noch daGelsenkirchen-Buer, 03.09.2008, Anna Maria Priebe (WAZ)
Die Jüdin überlebte den Holocaust und berichtet Schülerinnen und Schülern aus ihrem Leben. Obwohl drei Stühle bereit standen, setzte sie sich nicht. Sie ging auf und ab, gestikulierte und versuchte, so einen lebendigen Eindruck des Geschehenen zu vermitteln.
Halina Birenbaum war gestern ans Leibniz-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer gekommen, um ihre Geschichte zu erzählen. Es ist eine Geschichte, die geprägt ist durch den Holocaust. Halina Birenbaum ist Jüdin und wuchs im Warschauer Ghetto auf. Sie überlebte Majdanek, Auschwitz und Ravensbrück, als sie befreit wurde, war sie 15 Jahre alt. Birenbaum lebt heute in Israel, reist aber oft nach Deutschland und erzählt an Schulen von ihrem Leben. Die Aula des Leibniz-Gymnasiums war gut gefüllt, der Vortrag richtete sich an den 11. Jahrgang. Eineinhalb Stunden lang versuchte Birenbaum, das Leid in Worte zu fassen. Da ihr Deutsch sehr brüchig ist, gelang ihr das nicht immer. Die Reaktionen der Schüler waren auch deswegen sehr unterschiedlich. Manche hörten hochkonzentriert zu und waren gerührt von der Hoffnung und der Lebensfreude, die trotz allem in den Erzählungen Birenbaums mitschwang. „Ich habe fast geweint, es war sehr bewegend”, beschreibt Linda (17) ihre Gefühle. Auch Annika (17) und Linda (16) fanden den Vortrag sehr interessant und betonen, wie wichtig es ist, „dass es noch Zeitzeugen gibt.” Stefan (17) reagiert ähnlich. „Auch wenn man schon Filme zu dem Thema gesehen hat, verdeutlicht jemand, der dabei gewesen ist, das Leiden noch einmal”, findet er. Einige Mitschüler schienen allerdings wenig Interesse an den Ausführungen von Halina Birenbaum zu haben und machten stattdessen lieber Hausaufgaben oder unterhielten sich. Etwa nach der Hälfte des Vortrags unterbrach Birenbaum deshalb ihre Erzählungen und forderte die störenden Jugendlichen mit den Worten „Ich durchlebe das alles beim Erzählen nochmal. Ich mache das nicht für mich, sondern für euch” dazu auf, entweder den Raum zu verlassen oder ruhig zu sein. Danach kehrte betretene Stille ein, die sich erst bei der Abschlussdiskussion auflöste. Die Schüler zeigten sich interessiert und befragten Halina Birenbaum zu ihrem Leben. Sie wollten unter anderem wissen, ob sie noch Hass für die Deutschen empfinde, was sie verneinte, oder ob sie mit dem Erlebten abgeschlossen habe. Ihre Antwort: „ Ich habe nie abgeschlossen. Das Gestern lebt in mir, aber ich lebe nicht im Gestern.” Das Heute und die neue Generation Nazis kommentierte sie mit den Worten:„Ich bin immer noch da, und die sind schon wieder da.”
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 14. Februar 2010 um 11:08 Uhr |