
Die Liebe zur Lyrik
M. Schorowsky lädt ein zum Gedichtabend
Ich hab' noch nie ein Liebeslied geschrieben
Und immer wieder hab' ich es probiert.
Mit Worten über Sehnsucht und vom Lieben.
Doch meistens hab' ich mich dabei geniert.
Was die Sängerin und Lyrikerin Susan Avilés hier ausdrückt, kongenial vorgetragen von Emily Rosberger, gilt in Teilen auch für das öffentliche Rezitieren aus der Sicht der Schülerinnen, die den Lyrikabend bestritten. Intensive Vorarbeiten machten aber schließlich einen Abend möglich, den Vortragende und Zuhörer im Gedächtnis behalten werden.

Eine zögerliche, suchende Atmosphäre vermittelnd trug Ludmilla Schartner zart und in introvertiert anmutenden Ton ‚Die Liebenden’ von Bertolt Brecht vor. Selbstironie blitze bei Anne-Lina Milewskis und Annika Pryzgoddas Vortrag der Ballade ‚Anni und Anne’ auf. Felicitas Held öffnete durch ihre zwischen Selbstgespräch und Dialog trefflich changierende Rezitation des Gedichtes ‚Erinnerungen an die Marie A.’ Verständnis für die Komplexität menschlicher Bindungen. Und Carla Szepans überzeugend eindringlicher Darstellung der Singularität der Liebe in Erich Frieds ‚Was es ist’ konnte man sich schwerlich entziehen.
Am frühen Abend versammelte sich eine etwa dreißigköpfige Zuhörerschaft in der Bibliothek des Leibniz-Gymnasiums, um aus Anlass des landesweiten Lyriktages Lyrik im Vortrag zu genießen. Als Poetry day von England aus kommend verbreitete sich der Lyriktag durch das Engagement literarisch Interessierter bald auch auf dem Kontinent. Seit gut zehn Jahren ist auch das Leibniz-Gymnasium dabei, über lange Zeit vereint mit dem Landelijke Gedichtendag, repräsentiert durch das Christelijk Lyceum Veenendaal. Austragungstag ist stets der letzte Donnerstag im Januar.
Die Bibliothek trug dem Ereignis Rechnung: Warme Wohnzimmerbeleuchtung, Kerzen und die langen Reihen der Bücher schufen eine familiäre und literarische Atmosphäre.
‚Zum Beispiel Galilei’ von Thomas Brasch geriet zur geistigen Auseinandersetzung mit der Macht des Totalitarismus über die Wahrheit: Der Moment der Erkenntnis auf der einen Seite, die kalte, zynische Reaktion der Macht auf der anderen wurde durch den wechselseitigen Vortrag Lisa Göttes und Sandra Beyers, der sich stimmlich zwischen Hohn und Resignation bewegte, dem Zuhörer erschreckend deutlich. Sarah Schlüters sprachlich anspruchsvoller Vortrag des der Barockzeit entstammenden Gedichtes ‚Als er sich über den Eigensinn der heutigen Welt beklagte’ machte erfahrbar, dass gesellschaftliche Bonität schon früh als Fassade erkannt wurde. Gina Quattroventi öffnete die Herzen durch eine berührend empathische Rezitation der ‚Mondnacht’ von Joseph von Eichendorff. Den Abschluss schließlich bot Michelle Mossels elegischer Vortrag. Untermalt von einer Klavierversion des Metallica-Songs ‚Nothing else matters’ trug sie, mit sanft-eindringlicher Stimme sprechend und den Rhythmus der Musik dabei überzeugend aufnehmend, Shakespeares Sonett 57, ‚Being your slave, what should I do but tend’ vor. Hendrik Niggemann gab dem Abend durch drei musikalische Sentenzen, unter anderem von Johann Sebastian Bach, mit leichter Hand Struktur. |